"A Tribute to..." Roman Polanski
Regie-Ikone Roman Polanski: Ehrung mit dem „A Tribute to..."-Award für das Regie-Lebenswerk beim 5. Zurich Film Festival
Stellungnahme des Zurich Film Festival zur Verhaftung von Roman Polanski
Die Organisatoren des Zurich Film Festivals sind bestürzt, sie bedauern die Umstände der Verhaftung von Roman Polanski und protestieren gegen diese. Roman Polanski sollte in Zürich als Ehrengast für sein filmisches Schaffen geehrt werden, das in der Fachwelt als unbestrittenes Meisterwerk weltweite Anerkennung findet. Die Beurteilung rechtlicher Aspekte obliegt nicht der Organisation des Zurich Film Festival.
Vereinzelt erhobene Vorwürfe ungenügender rechtlicher Abklärung weist das Zurich Film Festival entschieden zurück. Aus rechtlichen Gründen ist es nicht möglich, zu allfälligen Haftbefehlen vorgängig Erkundigungen einzuholen, weshalb auch Herrn Polanskis Management keine Kenntnis davon hatte. Das Zurich Film Festival hat aus diesem Grund auch nie Kontakt mit irgendwelchen Justizbehörden aufgenommen. Anders lautende Behauptungen sind falsch. Herr Polanski hat die Schweiz ausserdem seit Jahren regelmässig und stets unbehelligt besucht, so auch im laufenden Jahr. Es bestand kein Anlass, von einer plötzlich veränderten Sachlage auszugehen.
Das Zurich Film Festival hält an der Ehrung Herrn Polanskis für sein kulturelles Schaffen fest. Alles Weitere liegt in der Hand der Justizbehörde. Die mit Herrn Polanskis Verhaftung einhergehende Publizität ist nicht, was sich die Organisation des Film Festivals gewünscht hat. Wir haben gehofft, Roman Polanski für sein Filmschaffen auszeichnen zu können. Wir hoffen, dass ob des Skandals um Herrn Polanskis Verhaftung die Filme vieler weiterer talentierter Künstler trotzdem nicht vergessen werden, sondern ihre berechtigte Aufmerksamkeit erhalten.
Das Zurich Film Festival, welches bereits im Dokumentarfilmwettbewerb 2008 mit Marina Zenovichs Film Roman Polanski: "Wanted and Desired" das Leben des herausragenden Filmemachers zum Thema hatte, zeigte anlässlich der Preisverleihung am 27. September 2009 eine Polanski-Retrospektive mit ausgewählten Filmen seines Oeuvres wie sein Kino-Debut Knife in the Water, aber auch Klassiker wie den Thriller Chinatown und das Holocaust-Drama The Pianist, für das er mit dem Regie-Oscar® ausgezeichnet wurde. Die Filme wurden dem interessierten Publikum im corso-Kino gezeigt.
Der 1933 in Paris geborene polnischstämmige Regisseur feierte 1962 sein furioses Kino-Debut mit dem Psycho-Drama Knife in the Water, für das er auch das Drehbuch schrieb. Sein Erstlingswerk erhielt noch im selben Jahr den FIPRESCI-Preis, 1964 folgte eine Oscar®-Nominierung für den besten nicht-englischsprachigen Film. Zu Polanskis bekanntesten Werken gehören die Komödie The Fearless Vampire Killers (1967), der mit einem Oscar®ausgezeichnete und schnell zum Kultfilm avancierte Psycho-Thriller Rosemary`s Baby (1968) sowie der als Meilenstein in der Tradition des Film Noir geltende, für zahlreiche Oscars® nominierte und mit einem Oscar® dekorierte Detektiv-Thriller Chinatown (1974) mit Jack Nicholson in der Hauptrolle. 1999 wurde Polanskis Mystery-Thriller The Ninth Gate mit Johnny Depp veröffentlicht. Mit seinem halb-biografischen Holocaust-Drama The Pianist triumphierte er nicht nur 2002 in Cannes mit dem Gewinn der Goldene Palme, sondern wurde 2003 auch mit dem Regie-Oscar® ausgezeichnet. 2005 folgte die Filmadaption von Charles Dickens Romanklassiker Oliver Twist. 2006 wurde Polanski von der Europäischen Filmakademie mit dem Europäischen Filmpreis für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Für 2010 ist der Kinostart des Mystery-Thrillers The Ghost mit Ewan McGregor, Pierce Brosnan, Timothy Hutton, Kim Cattrall und Tom Wilkinson in den Hauptrollen geplant. Der Film erzählt von einem Ghostwriter, der die Memoiren eines ehemaligen britischen Premierministers schreiben soll und dabei Geheimnisse enthüllt, die sein eigenes Leben in grösste Gefahr bringen.

Polanskis Kindheit war tragisch. Seine Mutter starb in Auschwitz, während er selbst die dramatische Flucht aus dem Krakauer Ghetto allein auf dem Land bei katholischen Kleinbauern überlebte. Schon früh begeisterte sich Polanski für das Kino. Anfang der 50iger Jahre begann er mit der Schauspielerei und studierte an der renommierten Filmschule in Lodz (Abschluss 1959), wo er mit seinen Kurzfilmen - gekennzeichnet von schwarzem Humor und Interesse für bizarre Beziehungskonstellationen - gewissermassen die Richtung für seine späteren Filme vorgab. Nach seinem Erfolg als Regisseur mit Knife in the Water emigrierte Polanski 1963 aus Polen. Nach einem Aufenthalt in England folgte 1968 die Übersiedelung nach Hollywood, wo er noch im selben Jahr seinen Durchbruch mit dem höchst erfolgreichen und stilbildenden Psycho-Thriller Rosemary`s Baby schaffte. Ein schwerer Schicksalsschlag war kurz nach dessen Premiere 1969 die brutale Ermordung seiner im achten Monat schwangeren Frau Sharon Tate durch Anhänger der okkulten Manson-Sekte in Los Angeles. Daraufhin verliess Polanski die USA und ging nach Europa zurück. Seit 1973 filmte er wieder in Europa und Hollywood. Um einem drohenden Prozess in den USA zu entkommen, zog der Filmemacher 1978 zurück nach Paris. 1975 erhielt Polanski die französische Staatsbürgerschaft, seit 1989 ist er mit der französischen Schauspielerin Emmanuelle Seigner verheiratet und lebt heute in Paris.







