Neue Welt Sicht : Junges starkes Kino aus Israel - Grenzen im Kopf überwinden

28.08.08

Mit der Reihe „Neue Welt Sicht“ richtet das Zurich Film Festival den Blick auf andere Kulturen und begrüsst jedes Jahr ein Gastland, dessen aktuelles Filmschaffen im globalen Vergleich herausragt, neue Perspektiven öffnet und den cineastischen Horizont erweitert. Beim 4. Zurich Film Festival (25.9. bis 5.10.2008) ist die Reihe dem Gastland Israel gewidmet. Vom 25. September bis 5. Oktober 2008 wird junges starkes Kino aus Israel in Anwesenheit von mehreren Regisseurinnen und Regisseuren zu sehen sein.

Nicht nur das 60jährige Jubiläum der Staatsgründung, sondern vielmehr die Qualität der Filme gaben einen passenden Anlass, den Fokus auf das junge israelische Kino zu richten. Seit einigen Jahren fällt das israelische Filmschaffen durch eine unvergleichliche thematische Vielfältigkeit und narrative wie auch visuelle Dichte sowie eine grosse Sensibilität für die Geschichte des Vielvölkerstaates und seine gegenwärtigen sozialen, kulturellen und politischen Themen auf. Jenseits von medial vermittelten Stereotypen zeigt die Filmreihe Neue Welt Sicht zudem ein anderes Gesicht Israels und zeichnet ein vitales, teilweise selbstironisches Bild des Landes. Für ein kleines Produktionsland hat der Staat im Nahen Osten ausserdem einen beachtlichen Output an qualitativ hochwertigen und eigenständigen Werken hervorgebracht, die in den letzten Jahren an internationalen Filmfestivals für Aufsehen und Begeisterung gesorgt haben. Das junge israelische Kino stellt derzeit ein Ausnahmephänomen auf dem internationalen Kinoparkett dar und kaum ein renommiertes Filmfestival ist in den letzten Jahren ohne einen israelischen Beitrag ausgekommen. So überzeugte Eran Kolirins „The Band’s Visit“ beim letztjährigen 3. Zurich Film Festival die Jury und wurde im internationalen Wettbewerb mit dem „Goldenen Auge“ für den Besten Spielfilm ausgezeichnet.

Das 4. Zurich Film Festival zeigt dieses Jahr eine abwechslungsreiche Auswahl von spannenden und exklusiven israelischen Spiel- und Dokumentarfilmen der letzten beiden Produktionsjahre. Eröffnen wird die Reihe die dramatische Liebesgeschichte For My Father/ Shabbat Shalom Maradona in Anwesenheit des Regisseurs Dror Zahavi. Die Komödie mit Tiefgang Noodle wird ebenfalls von der Regisseurin Ayelet Menahemi persönlich vorgestellt. Das Coming of Age Drama Sweet Mud von Dror Shaul, Joseph Cedars Antikriegsfilm Beaufort (Nominierung für den Oscar© für den Besten nicht-englisch sprachigen Film) sowie der Dokumentarfilm Three Times Divorced der jungen arabisch-israelischen Filmemacherin Ibtisam Salh Mara’ana setzen weitere Akzente in dieser sorgfältig zusammengestellten Reihe. Auch der Regienachwuchs weiss zu beeindrucken. An zwei Abenden werden exklusive Hochschulprogramme mit Kurzfilmen zweier renommierter Filmhochschulen Israels präsentiert: Die Sam Spiegel School Jerusalem, in Anwesenheit des Gründers und Direktors Renen Schorr, sowie das Department für Film des Beit Berl Collage of Art - in Zusammenarbeit mit den Kurzfilmtagen Winterthur - bringen einen reichen Fundus an beeindruckenden Jungtalenten hervor. Für den Schlussabend ist es dem Zurich Film Festival gelungen mit Ari Folman’s Animationsfilm Waltz With Bashir einen aussergewöhnlichen Film zwischen fiktionalem und dokumentarischem Genre zu gewinnen, der in Cannes in diesem Frühjahr für viel Aufsehen und Gesprächsstoff sorgte. Dieser innovative Film wird ab dem 4. Dezember 2008 in den Schweizer Kinos laufen.

Die „neue Welle“ aus Israel ist keine geschlossene Bewegung oder Gemeinschaft, sondern eine heterogene und gegensätzliche Generation von frischen und innovativen Talenten, so unterschiedlich und thematisch dicht wie die aktuelle Realität des multiethnischen Staates. Sie ist somit nicht nur ein kurzlebiger Trend, der sich einem Genre verschrieben hat, sondern ein Panoptikum verschiedener Erzählmethoden und individueller Perspektiven zu Israels kultureller und politischer Vergangenheit sowie Gegenwart. Die Spielfilme scheinen über den anhaltenden politischen (Grenz-)Konflikten zu stehen und sich aus einem universalen Spektrum von Themen zu speisen. So sind es vor allem Dokumentarfilme, welche die politische Dimension und die alltäglichen sozialen Konflikte im permanenten Ausnahmezustand verarbeiten, ohne dabei aber wertend oder verurteilend aufzutreten.

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